Hauptsache LAUT!

Ein Kommentar

Der Veganer-Koch Atilla Hildmann kocht sein Süppchen in der Verschwörungstheorienküche. Wo es nur geht, hört man ihn heute gegen die Corona Regeln und Regierung plärren. Alle anderen sind schuld!

Ein Mensch will ihm aber bereitwillig zuhören. Dem Schlagersänger Michael Wendler ist nun alles egal und wechselte ins „Hildmann Lager“. Herr Hildmann zeigt sich begeistert und gratuliert dem Wendler zu seinem Durchblick.

Während man nur den Kopf darüber schütteln kann, springt Hildmann glücklich und kampfeslustig von einer Anti-Corona-Demo zur nächsten. Auch über Telegram lässt er seine Anhänger an seinem wirren Gedankengebilde teilhaben.

Der Messenger-Dienst erfreut sich seit längerem einer immer größeren Anzahl von kleinen Hildmanns und Wendlers. Es ist möglich, sämtliche Grütze, wie zum Beispiel „Corona gibt es nicht!“ oder „Merkel ist ein Nazi!“ von sich zu geben, ohne mit  Konsequenzen rechnen zu müssen, da dieser Messenger Dienst nicht nachverfolgt oder gemeldet werden kann. Ein Paradies für Verschwörungstheoretiker.

So lange es Leute wie Herrn Hildmann und den Wendler gibt, wird es auch weiterhin Demos für Minimalgebildete geben, wo sie ihren Frust laut rausschreien kann. Uns „Normalos“ bleibt da nur eine starke Kopfschmerztablette!

Liebe mit dem nächstem Wisch?

Die Flirt App Tinder erfreut sich immer größerer Beliebtheit. Bereits 6 Millionen User haben sich bis 2020 die App weltweit heruntergeladen, um zu flirten, Freundschaften zu schließen oder sich einfach zu unverbindlichen Sex zu verabreden. Und was ist mit der großen Liebe?

Ist es möglich, bei Tinder wirklich einen Mann zu finden, mit dem man eine Beziehung führen kann oder tritt man dort nur einen Fuckboy nach dem anderen? „Auf Tinder findest du sicher nicht die große Liebe. Da findest du höchstens den Mann für eine Nacht und das war’s”. Solche und ähnliche Aussagen höre ich regelmäßig von Single-Freundinnen. Doch ist das wirklich so? Ist Tinder nur noch eine Sex-App, die bloß für unkompliziert One-Night-Stands etwas taugt? Dieser Meinung sind jedenfalls viele. Beispielsweise auch Nancy Jo Sales, die in einem Artikel des US-Magazins “Vanity Fair” schrieb Tinder beschwöre das Ende des Datings herauf und überhaupt seien 30% aller Tinder-User verheiratet.

Doch es gibt sie tatsächlich!

Leute, die sich durch diese App kennenlernten, zusammenkamen und sogar heirateten. Das ist aber wohl eher die Seltenheit. Zu Ihnen gehört auch meine Freundin Anne. In der Schule hatte sie sich in einen Mitschüler verliebt und ihn dann aus den Augen verloren und überraschenderweise auf Tinder wiedergefunden. Heute sind die Beiden in ihre erste gemeinsame Wohnung gezogen und der gesamte Freundeskreis wartet sehnsüchtig auf den Antrag.

Jedoch sind die Erfahrungen, die die meisten Frauen dort machen ganz andere. „Hey Beauty, ich steh auf Füße, Magst du mir ein Bild von deinen Füßen schicken?“, ist da noch eine der harmloseren Nachrichten. Doch auch Männer erfahren dort öfter obszöne Nachrichten.

Während niemand diesen Wortlaut einem Menschen offline in das Gesicht sagen würde, lebt es sich unter dem Deckmantel der Anonymität bei Tinder sehr gut und sämtliche moralische Hüllen fallen.

Tinder ist auf jeden Fall für Schreibbegeisterte, die eine Menge an Geschwätz aushalten können, eine gute Gelegenheit um neue Menschen kennen zu lernen. Es kann ja eigentlich auch nicht im Sinne von Tinder sein, dass sich alle verlieben, dann würden sie bald keine User mehr haben.

Das Aussterben der Lokführer

Die Zahl der Lokführer schrumpft dramatisch. Trotz allem will die Deutsche Bahn nicht auf ihre Angestellten verzichten und weigert sich auf selbstfahrende Züge umsteigen. Sterben die Lokführer aus?

Wie jeden Morgen um 2 Uhr macht sich Maximilian Beischau in Berlin auf den Weg. Er schlüpft in die Uniform und betritt den Führerstand seiner S Bahn. Am anderen Ende der Stadt ist Rainer Gossmann auch schon wach. Er hat heute noch eine lange Fahrt von 11 Stunden vor sich und plant nun schon am frühen Morgen seine Route. Maximilian und Rainer sind Lokführer bei der Deutschen Bahn. Maximilian bei der S-Bahn und Rainer im Güterfernverkehr.

An sich ein spannender und abwechslungsreicher Beruf. Oder?

Denn die Bahn hat ein massives Problem. Sie findet nicht genügend Personal. Vor allem an Lokführern mangelt es. Allein 2019 wollten sie eigentlich 2.000 neue Lokführer einstellen. Diese Zahl wurde nicht erreicht. Auf die Frage, warum sich so wenige junge Leute für den Beruf des Lokführers interessieren und sich in diesem ausbilden lassen und was die Schwierigkeiten sind hat Maximilian eine Antwort. „Der Schichtdienst schreckt halt ab. Gerade die jungen Leute wollen lieber geregelte Arbeitszeiten. Manchmal fährt man die ganze Nacht durch und das wirkt nicht besonders attraktiv auf diese Leute. Aber auch die Angst jemanden zu überfahren ist hier bei der S Bahn in Berlin sehr groß. Davor schrecken sehr viele zurück und lassen es dann gleichbleiben.“

Der Pressesprecher der „Gewerkschaft der Lokführer“ Sonil Kokokhail, geht auf die Problematik des Lokführerschwunds noch näher ein. „Das größte Problem ist, das man rund um die Uhr arbeitet und kein geregeltes Leben hat. Auch die Politik hat den Job des Lokführers immer unattraktiver gemacht, indem sie den jungen Menschen gesagt haben, dass in 20 Jahren die Züge autonom fahren. Daher ist es verständlich, dass man keinen Job erlernen möchte, wenn man weiß, dass man in 20 Jahren arbeitslos ist. Lokführer gelernt zu haben und dann in eine andere Branche hinein zu wechseln ist extrem schwer“

Rainer erzählt von den größten Schwierigkeiten, die die Auszubildenden erwarten. „Das Härteste sind die Prüfungen. In den 9 Monaten, in denen ich ausgebildet wurde, kamen glatt 10 Prüfungen auf einen zu. Da fliegen viele schon raus. Und die meisten haben auch nicht die nötige Disziplin“ Bei einem Blick auf das Ausbildungsgehalt verwundert das wenig. Die Deutsche Bahn verspricht im erstem Ausbildungsjahr ein Gehalt von 1004 Euro. Ein Hungerlohn, für den man sicher ungern solche Strapazen auf sich nehmen möchte. Maximilian hat es aber getan. „Es war von Anfang an mein Traum. Schon als kleiner Junge wollte ich diese großen Züge steuern. Und ich bereue es kein Stück. Der Fahrspaß ist mit nichts zu vergleichen und man sieht immer aus einer ganz anderen Perspektive, wie sich die Stadt verändert.“

Auch auf einem typischen Arbeitsalltag kann man sich nicht einstellen. „So einen typischen Arbeitstag gibt es nicht. Du kannst halt nur maximal 14 Stunden fahren Dann kommst du irgendwann an, gehst ins Hotel, haust dich 8 Stunden hin und weiter geht’s.“, sagt Rainer.

Aber auch Vorteile sind zu verzeichnen. „Die Freiheit ist echt toll. Es ist halt entspannt keinen Chef hinter sich stehen zu haben, der dir auf die Finger schaut und die Einsamkeit ist auch ziemlich entspannend. Man muss es halt mögen.“

Viel Zeit für eine Familie bleibt da überraschenderweise trotzdem. „Man kann seine Schichten so legen, dass man genügend Zeit für seine Lieben hat und ansonsten haben wir auch einen Muttifahrplan, der es frisch gebackenen Müttern noch einmal erleichtert.“, sagt Maximilian.

Auf die Frage nach selbstfahrenden Zügen reagierte die Deutsche Bahn pikiert: „Ich glaube, das ist eine Diskussion, die wir in fernerer Zukunft noch einmal führen. An der Stelle sind wir im Moment nicht“, sagt ein Pressesprecher der Bahn in einem Interview. „Der Zugführer wird weiter im Fahrzeug sitzen. Zumindest in den nächsten Jahren.“ Ein weiterer Pressesprecher ergänzte: „Im Moment stellt sich diese Frage gar nicht. Das ist im Moment nicht das Thema.“

Trotzdem sind in Deutschland selbstfahrende Züge nichts komplett Neues. So fahren zum Beispiel in Nürnberg seit über zehn Jahren selbsfahrende U-Bahnen über die Gleise. Ein so komplexes System wie das Streckennetz der Deutschen Bahn jedoch mit selbstfahrenden Zügen auszustatten, liegt offenbar noch in weiter Ferne. „Wir haben hier ein Mischnetz, 33.000 Streckenkilometer auf denen täglich 24.000 Züge allein im Personenverkehr fahren. Hinzu kommen die Güterzüge. Das rollt alles kreuz und quer“, erklärt ein Bahnsprecher die Situation.

Es bleibt also abzusehen, ob das Aussterben der Lokführer weitergeht. Der Traum vieler Jungs und Mädchen Lokführer zu werden braucht eine Generalüberholung mit attraktiveren Bedingungen. So lange werden Maximilian, Rainer und ihre schwindenden Kollegen weiterhin morgens in ihr Führerhaus steigen und die Züge von A nach B bringen.

Venezuela am Wendepunkt

Venezuela am Wendepunkt – wirtschaftlicher Umbruch oder Zerfall (Dezember 2015)

Patricia Dietz

Kein Tag ist wie der andere, obwohl er gleich beginnt. Wie jeden Morgen steht Alexander auf, geht in die Dusche und beginnt sich eine Liste im Kopf zu erstellen. Was fehlt? Milch, Wasser, Mehl, Fleisch. Es sind Grundnahrungsmittel, die dem Medizinstudenten fehlen –

in jedem normalen Supermarkt erhältlich. Doch Alexander lebt in Venezuela.

 

Hier sind Grundnahrungsmittel, aufgrund der Wirtschaftskrise und der dadurch entstandenen sehr hohen Inflationsrate, Mangelware. Von einer Inflation spricht man, wenn das Preisniveau deutlich und anhaltend ansteigt und somit die Kaufkraft des Geldes abnimmt. In keinem anderen Land auf der Welt ist sie so hoch, wie in Venezuela. Die Regierung um Staatspräsident Maduro gab eine Inflationsrate von 80%  zu, vermutet wird aber, dass sie viel höher liegt.

Nicolás Maduro ist der Nachfolger von Hugo Chávez und seit dem 14. April 2013 Staatspräsident in Venezuela. Davor war er Außenminister.

Eine der Hauptursachen der Krise ist der Absturz des Ölpreises. Venezuela sitzt auf den größten Erdölvorkommen in der Welt. Ein Großteil des Staatshaushaltes wird durch die Öleinnahme bestritten. Ein weiteres großes Problem ist, dass Venezuela nur 40 % seines Bedarfs selber produziert und das Land somit abhängig von den Importen ist. Bei Nahrungsmitteln liegt die Importrate sogar zwischen 60 und 70%. Da es aber wegen des niedrigen Ölpreises  über zu wenige Devisenreserven verfügt, sind die Waren knapp und teuer und es kann somit wichtige Importe von Lebensmitteln, Medikamenten und Hygieneartikeln kaum noch bezahlen.

Bei Devisen handelt es sich um Forderungen auf ausländische Währungen. Sie können aus Guthaben, Schecks, Obligationen oder Wechsel auf ausländische Währungen bestehen.  Für

Venezuela ist die einzige Quelle von Devisen der Verkauf seines Erdöls.

 

Die Folgen in Venezuela sind eine galoppierende Inflation und leere Regale in den Supermärkten. Im Januar 2014 wurde von der Banco Central Venezuela (BCV) mit 28% die höchste Mangelrate angegeben, die je gemessen wurde. Das bedeutet, dass in 28 von 100 Geschäften die Grundnahrungsmittel im Angebot fehlten.

Doch auch andere Importe mussten reduziert werden, so dass Unternehmen, die auf Importe angewiesen sind, Bankrott gehen.

Eine weitere Ursache der Krise besteht darin, dass teuer importierte Lebensmittel in den staatlichen Supermärkten billig verkauft werden. Mit diesen Preisen kann die einheimische Landwirtschaft nicht konkurrieren und sich nicht entwickeln.

 

Für Alexander beginnt nach dem Duschen die „Jagd“. Die Jagd nach den schwer erhältlichen Produkten. Dafür muss er sich schon früh morgens in die lange Schlange vor den Supermärkten einreihen. Oft wartet er dort 6 bis 8 Stunden. Ist er dann an der Reihe, kann er sich schon glücklich schätzen, wenn er ein Laib Brot erhält. Nicht immer ist das, was gerade verkauft wird, auch das, was man braucht. Aber Alexander zögert nicht lange. Er weiß, wenn er es nicht kauft, kauft es ein anderer, oder es ist noch teurer, wenn es das nächste Mal wieder verkauft wird.

Das ist nur einer der vielen Gründe warum Alexander und viele seiner Landsleute gespannt auf den Ausgang der Neuwahlen des Parlaments am 6. Dezember sehen. Sie hoffen, dass die jetzige Regierung um Staatspräsident Maduro durch die Opposition und ihren Führer Henrique Capriles abgelöst wird.

Bei Henrique Capriles handelt es sich um den gegenwärtigen Gouverneur des Bundesstaates Miranda. Er kandidierte bereits zwei Mal erfolglos für die Präsidentschaft Venezuelas.

Die verbreitete Stimmung gegen die jetzige Regierung wird angeheizt durch Gerüchte der Korruption. Hierbei handelt es sich um das Gerücht, dass Maduro absichtlich Feinde im Ausland sucht, um die Bevölkerung in einen Grenzkonflikt mit Guyana und Kolumbien zu bringen. Auch seine Machtgier, welche durch das im Mai verabschiedete Dekret deutlich wird, trägt dazu bei. Durch dieses Dekret wurde es ihm ermöglicht, per Sondervollmacht zu regieren und sämtliche Entscheidungen selber zu treffen, ohne sich vorher mit der Regierung abstimmen zu müssen.

Viele hoffen auf eine Wahl ohne Manipulation. Aber daran glaubt kaum jemand, nachdem Maduro nach einen Besuch Henrique Capriles in den USA, wo er um internationale Wahlbeobachter bat, ebenfalls hinflog und sich lautstark dagegen aussprach.

Der Politikwissenschaftler Professor Doktor Andreas Boeckh von der Universität Tübingen glaubt allerdings nicht an eine Verbesserung der politische Lage des Landes, wenn die Opposition gewinnen sollte, da sich die Opposition aus sehr unterschiedlichen Parteien zusammensetzt. „Das reicht von ganz links nach ganz rechts“, meinte der Politikwissenschaftler. „Das Einzige  was die Parteien der Opposition verbindet, ist der Wunsch, die Regierung zu stürzen“, sagte Prof. Dr. Boeckh.  Er glaubt, dass die Opposition im Falle eines Wahlsieges sofort auseinander bricht, da sie kein gemeinsames Konzept gegen die Krise hat. Eine Manipulation der Wahlen hält er aber für sehr wahrscheinlich. Allerdings bezieht er sich dabei eher auf eine Manipulation des Wahlkampfes im Widerspruch zu den Bestimmungen des Wahlgesetzes

Er ist der Meinung, dass die Versuchung steigen wird, zu schummeln und sich die Stimmen bzw. die Wähler zu erkaufen. Davon, dass falsch ausgezählt wird, geht er jedoch nicht aus.

 

Alexander würde sich zwar über einen Sieg der Opposition freuen, glaubt aber nicht, dass dadurch ein Umschwung und eine Verbesserung der Situation in Venezuela passieren werden. Generell kann er sich kein erfolgreiches und gutes Leben in Venezuela mehr vorstellen. „Wenn ich meinen Abschluss habe, werde ich auf jeden Fall von hier weggehen. Vielleicht gehe ich nach Amerika oder Europa“, meinte Alexander. Wie ihm ergeht es vielen jungen Leuten in Venezuela. Sie können sich keine gute und erfolgreiche Zukunft in diesem Land mehr vorstellen und möchten lieber in ein Land auswandern, wo sie die Möglichkeit sehen, sich ihre Träume erfüllen zu können. Ein Wahlsieg der Opposition wird an seinem Entschluss auch nichts mehr ändern können.

Doch nicht alle teilen die Hoffnung, dass die Opposition die Wahl gewinnt, so auch der venezolanische Botschafter Orlando Maniglia Ferreira. Die Opposition versuche das demokratische Modell abzusetzen, indem sie die Politik schlecht mache und sie für die Wirtschaftskrise verantwortlich macht.  Außerdem wolle die Opposition den rechten Faschismus in Venezuela mithilfe von Leopoldo López, welcher als Kopf der Opposition gilt, durchsetzen. Ein weiteres Problem sei, laut Orlando Maniglia Ferreira, dass sie niemanden mit Führungsqualitäten aufzuweisen hätten und dass, falls die Opposition gewählt werden sollte, einen inneren politischen Krieg ausführen würde, da nicht klar sei, welche Partei die Opposition anführen soll. Aufgrund dieser internen Auseinandersetzungen würden die Probleme Venezuelas dann zu kurz kommen.

Allerdings zeigte der Botschafter einen Lösungsweg für Venezuela auf. Das Land müsse seine eigenen Produktionskapazitäten in der Landwirtschaft, im Erdöl und auch im Bergbau verbessern. Auch müssten die Erdölpreise angehoben werden und es sollte ein gerechtes Steuersystem aufgebaut und gute Beziehungen zu den Freundschaftsstaaten

aufrechterhalten werden. Außerdem müsse der Tourismus ausgebaut werden, erklärte Orlando Maniglia Ferreira.

 

Wenn sich all diese Faktoren erfüllen, wäre Venezuela wieder ein glückliches und lebensfrohes Land und vielleicht bleibt Alexander dann doch, weil er wieder eine Zukunft sehen kann.

Die Gleichschaltung der Medien

Am 30. Januar 1933 ernannte Reichspräsident Paul von Hindenburg NSDAP Leiter Adolf Hitler zum Reichskanzler. Dieser historische Frühjahrstag leitete das Ende der Weimarer Republik und den Anfang der Hitler-Diktatur ein, die in Krieg, Tod und Zerstörung endete.

Aber auch die Medienspielten in dieser Zeit eine wichtige Rolle. Der Journalismus im Dritten Reich ist auch Jahrzehnte nach dem Untergang des NS-Regimes noch umstritten wie eh und je.

Doch die große Zahl von begeisterten Anhängern erforderte eine Menge Überzeugungsarbeit und Manipulation. Die Nationalsozialisten brauchten die Medien und die Journalisten, um ihre Macht auszubauen und zu festigen. Auch waren die Journalisten vom Wohlwollen der Nationalsozialisten abhängig, wenn sie die Ausübung ihres Berufes oder sogar ihr Leben nicht gefährden wollten.

Doch auch zur heutigen Zeit gibt es Länder die eine Gleichschaltung der Medien anstreben. Dies wird am Beispiel der Gesetztes Änderung der neuen polnischen Regierung deutlich. Diese neue rechte Regierung ist erst seit November 2015 im Amt und hat im Eilverfahren eine Gesetztes Änderung zum Umbau der Medien beschlossen und will nun Einfluss auf alle öffentliche Medien in seinem Land nehmen.

Da stellt sich nun die Frage, ob die gegenwärtige politische Situation und die Situation der Medien in Polen vergleichbar mit der Zeit unmittelbar nach der Machtergreifung der Nationalsozialisten ist?

 

Der Begriff der Gleichschaltung wurde von der nationalsozialistischen Propaganda übernommen und bezeichnet die Ausrichtung von Organisationen, Institutionen, Parteien, Verbänden und somit auch von jedem einzelnen Bürger auf die nationalsozialistische Politik und Ideologie. Die Nationalsozialisten übernahmen in sehr kurzer Zeit die Kontrolle über die Presse, den Hörrundfunk und den Film. Die ursprüngliche Aufgabe der Medien zu informieren und die Meinungsfreiheit zu prägen, wurde geändert und die Presse wurde zum Instrument der Propaganda der nationalsozialistischen Ideologie. Dadurch wurde die Pressefreiheit sehr stark eingegrenzt.

Die Bezeichnung des Begriffes „Gleichschaltung“ wurde durch den Reichsjustizminister Gürtler, bei der Formulierung des Gesetztes vom 31. März 1933 zur Gleichschaltung der Länder mit dem deutschen Reich, vollzogen.

Die Gleichschaltung im kulturellen Bereich nahm ihren Anfang am 13. März 1933, da an diesem Datum Joseph Goebbels zum Minister für Volksaufklärung und Propaganda ernannt wurde. Die Vermassung der Medien wurde zunächst in ein institutionelles Fundament gegossen. Durch die Durchführungsverordnungen im November 1933 wurde die Reichskulturkammer als Körperschaft des öffentlichen Rechts gegründet. Diese Reichskulturkammer umfasst alle Personen und Gewerkschaften, die in kulturellen Berufen tätig sind. Sie legte die Arbeitsbedingungen fest und hatte die Entscheidungsbefugnis zur Gründung oder Schließung von Unternehmen.

Das Ziel dieser Gleichschaltung war es die Medien zu „Massenbeeinflussungsinstrumente“ für die Mobilisierung der deutschen Bevölkerung für die nationalsozialistische Bewegung umzufunktionieren.

Dabei wurde der Hörrundfunk von Goebbels besonders hervorgehoben. Der Rundfunk wurde als das wichtigste neue Kommunikationsmedium der Zeit betrachtet und hatte somit eine ganz besondere Bedeutung im totalitären System.

Nach den Reichtagswahlen vom 5. März 1933 wurden zahlreiche Mitarbeiter aus den Programmredaktionen, dem Technikbereich und der Verwaltung entlassen und die wichtigen Schlüsselpositionen wurden samt und sonders von Nationalsozialisten oder Regime-Treuen ersetzt. Auch wurden ebenfalls die Rundfunkkompetenzen an die Rundfunkabteilung des Propagandaministeriums übertragen, denn Goebbels hatte innerhalb kurzer Zeit die Säuberung des Rundfunks personalpolitisch durchgesetzt. Teile der Rundfunkgebühren flossen in den Etat des Ministeriums für Propaganda. Auch juristisch war die Unterwerfung der Sender bald geklärt, da sie ab April 1934 zu bloßen „Reichssendern“ einer Zentrale in Berlin untergeordnet wurde. Die Programmgestaltung, vor allem die Kontrolle der auszustrahlenden Sendungen, lag in der Verantwortung des Propagandaministeriums.

Goebbels setzte zunächst auf die Vermittlung von politisch-ideologischen Inhalten durch eine direkte Propaganda wie zum Beispiel durch politische Reden und Live-Berichterstattungen von wichtigen Veranstaltungen. Allerdings schränkte Goebbels bereits gegen Anfang 1933 die Ausstrahlung von den politischen Regeln auf zwei pro Monat ein. Es fanden sich zunehmend auch Unterhaltungselemente im Programm, wie zum Beispiel Tanzmusik, jedoch hörten die Vorträge und Übertragungen von Parteiveranstaltungen nicht auf.

Mit dem Beginn des zweiten Weltkrieges änderte sich die Struktur je nach Verlauf des Krieges. So wurde von den Kriegserfolgen in bester Laune und zur bester Sendezeit, täglich direkt vor Ort berichtet. Als der Krieg sich wendete, wurden die Berichte monotoner, seltener und einzelne Erfolge wurden umso lobender erwähnt sowie, dass Durchhalteparolen immer häufiger wurden. Schließlich wurde im Juli 1940 ein einheitliches Reichsprogramm eingeführt.

Aufgrund der von Goebbels festgelegten niedrigen Preisen konnten 1933 rund 4,3 Millionen Volksempfänger und circa 2,8 Millionen Kleinempfänger verkauft werden. Das Radio wurde so als ein wichtiger und nützlicher Alltagsgegenstand in die deutschen Wohnungen eingeführt und genießt bis heute einen festen Platz in jedem Haushalt. Nun war es möglich die meisten Haushalte mit dem Staatsprogramm zu versorgen. Um die Totalität noch zu verstärken, wurde ein reichsweites Netz von über 6000 „Lautsprechersäulen“ aufgebaut, so dass es auch auf den Straßen und den Plätzen kaum mehr die Möglichkeit gab, sich der Massenbeschallung zu entziehen. Durch einfache Parolen und Wiederholungen sollte die Gesellschaft ideologisch durchdrungen werden.

Auch das Medium Film wurde als ein bedeutendes Mittel zur Massenbeeinflussung von den Nationalsozialisten erkannt und somit als eine ideale Plattform für die Propaganda angesehen. Die NSDAP produzierte bereits seit 1927 Propagandafilme.

Ab dem 14. Juli 1933 wurde die Rechtsfilmkammer unter der Führung des Propagandaministeriums einer lückenlosen Kontrolle unterworfen. In dieser Rechtsfilmkammer wurde es dann durch eine Pflichtmitgliedschaft möglich die „nicht arischen Filmschaffende“ aus dem Kinowesen auszuschließen.

Dabei überwachte eine Kontingentstelle den Import und den Export von Kinostreifen und überprüfte den „deutsche Charakter“ der Produktionen und die „arische Herkunft“ der Darsteller und Mitarbeiter.

Ab dem 1. Juni 1942 ging die Gleichschaltung im Filmbereich sehr zügig voran, denn auch hier setzte Goebbels auf eine unterschwellige Propaganda.

Bei der Herstellung und der Verbreitung der Filme war das oberste Gebot die Unterhaltung der Massen und ihre Ablenkung vom Alltag während des zweiten Weltkrieges.

Gerade deswegen florierte die Produktion der Kinofilme im nationalsozialistischen Deutschland und so entstanden zwischen 1933 und 1945 etwa 1100 Spielfilme. Davon waren ungefähr 160 direkt für Propagandazwecken gedreht worden. Daher ist es auch kein Wunder, dass Filmschauspieler die bestverdienenden Kunstschaffenden des dritten Reichs waren. Ein weiteres Element der Propaganda der Nationalsozialisten war die „Wochenschau“, welche in den deutschen Kinos gezeigt wurden. In ihr wurde Aufnahmen von Kriegsschauplätzen und Berichte von gewonnen Schlachten gezeigt. Es wurde nicht von Widerständen und von Verlusten berichtet. Die Kinobetreiber hatten keine Wahl, ob sie die „Wochenschau“ und die Filme der Nationalsozialisten zeigen wollten oder nicht.

Wie bereits im oberen Teil erwähnt wurde die Pressefreiheit zur Zeit der Nationalsozialisten sehr stark eingeschränkt. Die Nationalsozialisten selbst lehnten den Begriff „Pressefreiheit“ ab und definierten die journalistische Tätigkeit als „Aufgabe im Dienst von Volk und Staat“. Während den Zeitungen vorgeworfen wurde, dass sie sich schon unmittelbar nach der Machtübernahme der Nationalsozialisten vollkommen freiwillig den Zielen des neuen Regimes untergeordnet hätten, wurde die Rolle der Presse mit einem Gesetz auch formal neu geregelt.

Am 4. Oktober 1933 wurde das Schriftleitergesetzt erlassen, das alle im Pressebereich Tätigen, die nicht arischer Abstammung sind, von der publizistischen Tätigkeit ausschloss und die Journalisten in erster Linie als „Diener der Volksgemeinschaft“ sah.

Es ist allerdings auch zu beachten, dass sich die Gleichschaltung der deutschen Presse mit einem geringen bis zu gar keinem Widerstand vollzog.

Vor dem zweiten Weltkrieg sank das Interesse der Bevölkerung an den Informationen durch die Presse. Erst mit Beginn des zweiten Weltkrieges stiegen das Informationsbedürfnis der Bevölkerung und somit auch die Verkaufszahlen wieder. Die Medien erfuhren in dieser Zeit ein noch nie gekanntes Wachstum und Interesse. Auch trieben neue technische Errungenschaften, wie zum Beispiel das schon erwähnte Radio, die Erreichbarkeit der Bevölkerung in andere Dimensionen.

So kam es auch unter anderem zu einer Professionalisierung der Printmedien hin zu gut  organisierten Redaktionen von der Tages- und Wochenpresse. In der Zeit vor 1933 war es üblich, dass Zeitungen sich zu einer bestimmten politischen Richtung öffentlich bekannten. Es gab aber auch parteiunabhängige Blätter, wie zum Beispiel den „Rostocker Anzeiger“. Mit der Machtübernahme Adolf Hitlers im Jahre 1933 veränderte sich auch die gesamte Presselandschaft in Deutschland.

Das angestrebte Ziel der Nationalsozialisten war die völlige Kontrolle der öffentlichen Medien sowie die Gewalt über die Meinungs-und Willensbildung. Um diese Totalität zu erreichen, mussten nicht nur das Radio und das Kino unter Kontrolle gebracht werden, sondern auch die Printmedien.

Die Arbeitsbedingungen der Verleger, Redakteure und Journalisten wurden genau wie beim Hörrundfunk zum Teil völlig auf den Kopf gestellt. Auch hier wurde aus der freien Berichterstattung Propaganda, welche einzig den Zweck hatte die nationalsozialistische Ideologie zu verbreiten und zu festigen.

Mit der Verordnung „Zum Schutz des deutschen Volks“ vom 4. Februar 1933 wurde es den Nationalsozialisten ermöglicht erhebliche Eingriffe in die Versammlungs- und Pressefreiheit zu unternehmen und es legalisierte die Verfolgung politischer Gegner. In der Folge kam es auch hier zu zahllosen Verboten, Schließungen oder Bedrohungen von Zeitungen und ihren Mitarbeitern, die zum Beispiel der SPD oder KPD, welche später als Parteien verboten wurden, nahestanden. So wurde in Rostock das Verlagsgebäude des SPD-Organs geschlossen, die Zeitung eingestellt sowie die Maschinen und Materialien konfisziert. Später zog in dieses Gebäude der „Niederdeutsche Beobachter“ ein, um den größten Konkurrenten den „Rostocker Anzeiger“ unter Druck zu setzten.

Um den unliebsamen Gegner aus dem Geschäft zu drängen, bediente sich die NSDAP drastischer Methoden. Die Abonnentenwerbung des „Niederdeutschen Beobachters“ wurde unter anderem von hausierenden und in Uniform gekleideten SA-Männern durchgeführt. Viele Parteimitglieder der SPD und KPD wurden zu einem Abo genötigt und es wurde ihnen zum Teil auch untersagt andere Zeitungen zu lesen.

Die oben aufgeführten Beispiel zu Zeitungen, Rundfunk oder das der „Wochenschau“, sind nur Teile des gesamten Propagandaapparates der Nationalsozialisten und es sind Beispiele, wie sie sich zu hunderten in Deutschland abgespielt haben.

Einer Manipulation der man sich unmöglich entziehen konnte waren die Plakate. Noch heute sind sie überall und in jeder Stadt zu finden. Werben sie heute für Fernsehshows oder neue Duschlotionen, wurde in der Zeit des NS-Regimes unter anderem für die reine deutsche Leitkultur und den „Arier“ geworben. So wurde zum Beispiel mit „blondgezopftem Jungmädel“ für die Hitlerjugend geworben.

Andere Plakate spiegeln auf bedrückende Weise das rassenideologisch motivierte Leid, welches das NS-Regime über die Menschen jüdischer Abstammung brachte: Populistische und kriminelle Juden-Denunzierung per Bild- und Schriftanschlag waren an der Tagesordnung.

In Ansätzen zeichnete sich sogar schon die Kriegskatastrophe ab, beispielsweise auf einem Plakat, das rauchende Schlote oder qualmende Kanonenrohre präsentiert  und damit ungewollt den industriellen und kommerziellen Hintergrund der Kriegsmaschinerie verrät. Nach Kriegsbeginn 1939 kam das Plakatwesen vollends zum Erliegen. Man versuchte nun den Alltag durch Anweisungen auf Schriftplakaten zu organisieren, wie zum Beispiel das luftkriegsbedingte nächtliche Verdunkeln oder winterliches Energiesparen anzuzeigen. Obwohl nun unter der Diktatur durch die verhinderte Meinungspluralität und eingeschränkte künstlerische Freiheit insgesamt die gestalterische Kreativität stark gelitten hatte, so konnten im Einzelfall dennoch originelle Stücke entstehen wie zum Beispiel die schon Warnung »pst! Feind hört mit“ aus dem Jahr 1943.

Anhand dieser Beispiele zur Manipulation der Presse und Medien durch die Nationalsozialisten dürfte es deutlich geworden sein, wie wichtig es ist, Presse- und Meinungsfreiheit als ein unveräußerliches Grundrecht zu betrachten.

 

Umso beunruhigender ist deshalb die aktuelle Situation in Polen, da die frisch gewählte Partei PiS anscheinend ebenfalls eine Gleichschaltung der Medien plant.

Die Parlamentswahl in Polen fand am 25. Oktober 2015 statt. Dabei gewann die nationalkonservative und rechts gerichtete Partei PiS die Wahl mit 37,6% mit ihrer Spitzenkandidatin Beata Szydlo und erhielt 235 der 460 Mandate und somit eine absolute Mehrheit im Parlament.

Die Partei PiS versprach in ihrem Wahlkampf die Rückkehr zum alten Renteneintrittsalter von 65 Jahren für die Männer und 60 Jahre für die Frauen, eine Erhöhung des Steuerfreibetrags auf 8000 Zloty, sowie die Erhöhung des Kindergeldes auf 500 Zloty für das zweite und jedes weitere Kind und bei armen Familien schon ab dem ersten Kind. Des Weiteren forderte die Partei, dass der angehobene Mehrwertsteuersatz von 23 % auf den alten Status quo von 22% abgesenkt werden sollte.

Diese neue polnische Regierung ist zwar erst seit November im Amt, doch will sie das Land offenbar im Eiltempo umstrukturieren. Zunächst entmachtete sie weitgehend das Verfassungsgericht. Auch will sie, wie schon oben berichtet, bei den öffentlich-rechtlichen Medien den Ton angeben. Das Parlament beriet nämlich ein Gesetz, durch das sie alle führenden Köpfe in den Aufsichtsräten und die Vorstände austauschen kann. Die Aufsichtsräte und die Vorstände der Medien werden künftig  von einem durch den Staatspräsidenten und den beiden Parlamentskammern bestimmten „Rat der Nationen“ ernannt werden. Alle drei Institutionen sind derzeit unter der Kontrolle der PiS. Zudem sollen alle öffentlich-rechtlichen Medien direkt der Aufsicht des Kulturministers unterstehen. Ministerpräsidentin Beata Szydlo begründet das unter anderem damit, dass die Bürger das Recht auf „objektive und plurale Informationen“ hätten. Später will die PiS das Radio und das Fernsehen in sogenannte „Nationale Medien“ verwandeln, denen voraussichtlich nur noch jeweils ein Direktor vorstehen wird. Die Regierung erwartet  von den Medien, dass diese sich dann verstärkt um kulturelle und historische Bildung bemühen und dabei bei den Zuschauern eine patriotische Haltung stärken.

Auch der zweite Teil der PiS-Medienreform, die Beschränkung der Marktmacht ausländischer Medienkonzerne, bedeutet nur vordergründig ein Mehr an Meinungspluralismus. Es sollen insbesondere die Anteile deutscher Verlage verringert werden. Bislang beherrschten die Medienhäuser Bauer Media Polska, Burda International und Axel Springer Polska den privaten Medienmarkt in Polen. Durch den Rückkauf von Anteilen und die Neugründung von konservativen Medien will die PiS eine „Repolonisierung“ erreichen. Das alles bedeutet nur eine gewaltige Einschränkung der Demokratie, des Pluralismus und der Medienfreiheit.

Dieses Gesetzt wurde von internationalen Journalisten und Medienorganisatoren scharf kritisiert.

Auch in der EU wurden Rufe des Protests laut. So wurde gesagt, dass die Gleichschaltung der Medien zwar vorerst noch nicht die demokratische Willensbildung zerstört. Sie würde aber die für einen funktionierenden Rechtsstaat notwendige Machtbalance ruinieren. EU- Parlamentschef Martin Schulz warf Warschau vor, gegen demokratische Grundsätze zu verstoßen.

Auch wird die scharfe Regierungsweise von Beata Szydlo stark kritisiert. So betonte der spanische Christdemokrat Esteban Gonzáles, dass Europa eine Wertegemeinschaft sei und nicht nur ein gemeinsamer Markt. Auch könne  die polnische Regierung zwar die Gesetze ändern, nicht aber „die Werte der EU“.

Doch treffen diese neuen Mediengesetze nicht nur international auf Kritik, sondern auch national. So gingen am 11. Januar 2016  in mehr als 20 polnischen Städten zehntausende Menschen gegen das Mediengesetz auf die Straße. Allein in Warschau versammelten sich etwa 20000 Demonstranten. Sie schwenkten polnische und EU-Flaggen und riefen: „Freie Medien, freies Polen!“. Die Demonstranten forderten „demokratische Medien“ und riefen Parolen gegen die neue Regierung.

Betrachtet man diese Faktoren eingehend werden Ähnlichkeiten aber auch Unterschiede klar in Bezug auf die Gleichschaltung der Medien zur Zeit des Nationalsozialismus und der heutigen Situation in Polen.

Dabei beschränken sich die Ähnlichkeiten glücklicherweise nur auf einige Punkte. So sind sowohl die NSDAP als auch die PiS beide rechten Parteien. Sie streben die Kontrolle der Medien und die daraus folgende Stabilisierung ihrer Macht an. Dafür entließen beide Parteien wichtige Führungspositionen in den Bereichen Rundfunk, Fernsehen und Presse und besetzten die Stellen mit dem jeweiligen Regime oder auch Partei treuen Mitarbeitern. Auch verlangten sowohl das Regime der Nationalsozialisten, als auch die PiS Partei von den Medien, dass diese sich verstärkt um eine kulturelle und historische Bildung bemühen sollten, um so unter anderem die patriotische Haltung der Bevölkerung zu verstärken.

Sowohl die NSDAP, als auch die PiS Partei sorgen dadurch für eine gewaltige Einschränkung der Demokratie, des Pluralismus und der Medienfreiheit.

Doch überwiegen hier wohl eher die Unterschiede. Diese Unterschiede machen die Möglichkeit einer echten Diktatur in Polen sehr unwahrscheinlich machen.

Schon allein dadurch dass, Polen ein langjähriges Mitglied der EU ist, ist die Gefahr alles in allem eher sehr gering.

 

Meiner Meinung nach ist die gegenwärtige politische Situation und die Situation der Medien in Polen teilweise vergleichbar mit der Zeit unmittelbar nach der Machtergreifung der Nationalsozialisten. In beiden Fällen wird von einer Polarisierung der Medien gesprochen. Doch in Polen ist es bei weitem nicht so drastisch, wie in der Zeit des Nationalsozialistischen Regimes. Dennoch ist eine Wachsamkeit bezüglich der aktuellen Situation in Polen sehr sinnvoll.

Berlin- eine Stadt versinkt im Müll

Der aussichtslose Kampf gegen die Party-Ferkel

 

In Berlin tobt das Leben. Sowohl am Tage, als auch in der Nacht. Die Einwohner und Touristen feiern hier für ihr Leben gerne. Ob es nun eine spontane Grillparty oder eine Open Air Party ist, zu jeder Veranstaltung strömen hunderte Menschen. In keiner anderen deutschen Stadt gibt es so viele Veranstaltungen dieser Art wie in Berlin. Doch leider kümmern sich die meisten Initiatoren nicht oder zu wenig um den Müll, der dabei zwangsläufig entsteht. Der bleibt hinterher meist liegen.

 

Berlin ist eine der lebendigsten und auch schönsten Städten Deutschlands und zieht jedes Jahr unzählige Touristen an. Doch hat die Stadt Berlin auch eine Schattenseite. Seit Jahren nimmt die Menge an entsorgtem Müll auf offenen Straßen zu.

Die Stadt hat nun eine große Anzahl an hässlichen Dreckecken. „Statt ihren Müll auf einem der 15 Recyclinghöfe oder in den 21500 Papierkörben der Hauptstadt zu entsorgen, gehen immer mehr Berliner den bequemeren Weg: schnell weg mit dem Dreck gleich an der nächsten Ecke!“, schreibt der Berliner Kurier. Wenn man erst einmal angefangen hat seinen Müll illegal auf den Straßen zu entsorgen, kann man sich sicher sein, dass der eigene Müll schon bald Gesellschaft bekommt. Denn Müll gesellt sich gerne zu Müll. Dadurch wächst der Müllberg immer weiter und schneller an. Das größte Problem stellen dabei die unangemeldeten Party und Veranstaltungen dar. Diese finden gerne in Parks und Grünflächen statt, wie zum Beispiel dem Treptower Park oder dem Mauerpark. Der Müll, der dabei immer zurückbleibt, wird nicht fachgerecht entsorgt. Denn die BSR ist für die Parks und Grünanlagen nicht zuständig und so wächst der Berg an Müll immer munter weiter.

Wenn Berlin attraktiv bleiben soll, wird es Zeit, dass Maßnahmen ergriffen werden. Ein Vorbild könnte hier Rom sein, wo Bürger selbst die Initiative ergriffen haben und in ihrer Freizeit gemeinsam systematisch Verunreinigungen ihrer Stadt beseitigen. Denn nur in einer sauberen Stadt ist das Leben angenehm und schön.

Das Phantom der Oper

Autor: Gaston Leroux

 

Erscheinungsjahr: 1910

 

Verlag: Nikol-Verlag

 

Handlung:

 

In den Gewölben der Pariser Oper hält sich ein unsagbar hässlicher Mensch verborgen, dessen Gesicht als lebender Totenschädel beschrieben wird. Um dieses Gesicht zu verdecken trägt er eine Maske. Er hat zwei Leidenschaften: die Musik und die junge Sängerin Christine Daaé. Um sie zum Star der Oper zu machen, ist ihm jedes Mittel recht. Er schreckt sogar nicht vor Morden zurück und bald hat er das ehrwürdige Gebäude unter seiner Kontrolle und versetzt Sänger und Personal in Angst und Schrecken. Schließlich entführt es Christine und zeigt ihr sein Reich. Christine erliegt zunächst seinem Werben, bis sie sich in einen Freund aus Kindheitstagen, den Vicomte de Chagny, der auch der neue Mäzen der Oper ist, verliebt. Als das Phantom diese neue Liebe zwischen den beiden mitbekommt wird es rasend vor Eifersucht und entführt bei der Premiere seiner eigenen Oper Christine ein zweites Mal und zerstört das Opernhaus, indem er den schweren Lüster herabstürzen lässt. Als der Vicomte de Chagny, mit dem Christine nun verlobt ist, ihnen in die Gewölbe folgt, stellt das Phantom Christine vor eine teuflische Wahl. Wenn sie nicht bei es bleibt, droht es ihr, würde es den Vicomte töten und eine Bombe zünden, die das Opernhaus in Schutt und Asche legen wird. Bleibt sie jedoch bei es und heiratet es, so wird er den Vicomte und alle anderen verschonen. Verstört und traurig entscheidet sich Christine für das Phantom, um den Vicomte de Chagny zu retten. Als sie schließlich auf das Phantom zugeht und es küsst, erkennt das Phantom was es getan hat und aus Abscheu vor sich selbst und seinen Taten, lässt es Christine und den Vicomte de Chagny gehen. Es kann sich seine Taten jedoch selber nicht vergeben und stirbt nur drei Wochen später an einem gebrochenem Herzen.

 

 

Hintergrund:    

Die handelnden Personen in dem Buch sind allesamt frei erfunden. Jedoch ereignete sich der Absturz des Lüsters tatsächlich und führte zu einem schweren Brand, der das damalige Opernhaus, welches heute den Namen Opera Garnier trägt, beinahe vollständig zerstörte. Leroux hat dieses Ereignis anscheinend so sehr gefesselt, dass er darum eine Geschichte sponn. Da der Grund für das Abstürzen des Lüsters nie geklärt wurde, war es der perfekte Grund jemanden zu erschaffen, der ihn absichtlich zum Absturz gebracht hat und gleichzeitig der Fadenzieher im Hintergrund der Oper ist. Somit war das Phantom der Oper geboren. Die Dreickesbeziehung zwischen dem Phantom, Christine und Raoul dem Vicomte de Chagny zählt heute zu einer der spannendsten, bewegendsten und schönsten Liebesgeschichten. Sie wurde mehrfach verfilmt und ein Musical darüber geschrieben.

Die letzte Ruhe?

Dass das Leben nicht ewig dauert, ist jedem von uns bewusst. Doch wenn der Zeitpunkt des Todes gekommen ist, treten Fragen auf. Fragen nach der Art der Bestattung und dem richtigem Ort der letzten Ruhe.

 

In ganz Berlin gibt es 221 Fried-und Kirchhöfe, von denen 79 Friedhöfe in der Denkmalliste Berlins als Gartendenkmäler eingetragen sind. In den letzten Jahren verringerte sich die Sterberate und die Art der Bestattungen veränderte sich. Es werden nun hauptsächlich Feuerbestattungen vollzogen und dadurch entstehen mehr Urnengemeinschaftsgrabstätten. Deshalb wird nun weniger Friedhofsfläche benötigt. „Wir haben im Moment in Berlin für Bestattungen 1037 Hektar Friedhofsfläche, von denen perspektivisch nur noch 747 Hektar erhalten bleiben“, sagte Staatssekretär Christian Gaebler aus der Senatsverwaltung für Stadtentwicklung. Wird also der Platz für die letzte Ruhe knapp?

In der Friedhofsverordnung von 1997 steht, dass die Ruhezeit einer jeden Grabstätte 20 Jahre lang dauert. Diese Dauer hängt mit dem Verwesungsprozess und mit der Belegungskapazität des Friedhofes zusammen. Nun da weniger Friedhofsfläche zur Verfügung steht, ist mit einer Verkürzung der Ruhezeit zu rechnen.

Bei einem Besuch des Alten St. Matthäus Friedhofs findet man nicht nur Gräber von berühmten Persönlichkeiten, wie die Gebrüder Grimm, Rudolf Virchow und Immanuel Hegel, sondern auch diverse kleine Schilder an den Gräbern mit der Aufschrift „Ruhezeit abgelaufen“.

„Es gibt zwei Varianten von Besatzungen. Feuerbestattungen und Erdbestattungen. Beide sind nicht verlängerbar. Nur bei Familiengräbern und Gräbern an Waldstellen ist es möglich nach den 20 Jahren jedes weitere Jahr eine Verlängerung zu beantragen.“, erklärte die Vorsitzende der Domgemeinde St. Hedwigs-Kathedrale Berlin. „Nach Ablauf dieser 20 Jahre bleiben die sterblichen Überreste im Grab. Im Falle einer Nachbeerdigung werden die Gebeine ausgegraben und in eine Gebeins Kiste gelegt. Diese Kiste wird dann an ihrer ursprünglichen Stelle, nur tiefer, beerdigt.“, erläuterte sie.

Es gibt also die „Letzte Ruhe“ tatsächlich ohne jegliche Zeitbegrenzung. Bleibt nur zu hoffen, dass es dann noch ausreichend Platz gibt um sie zu finden.

 

The Danish Girl – Rezension

Der ab dem 07.01.2016 in den Berliner Kinos angelaufene Film „The Danish Girl“ ist ein Drama um den dänischen Künstler Einar Wegener, der sich mit der Unterstützung seiner Frau zu einer Frau um operieren lässt.

Im Kopenhagen der 1920er Jahre führen das Künstlerpaar Einar (hervorragend gespielt von Eddie Redmayne) und Gerda Wegener (Alicia Vikander) eine glückliche Ehe. Als ein Model, das für Gerda posieren sollte, nicht auftaucht, wird Einar kurzerhand als Frau verkleidet. Er verkörpert diese sehr überzeugend und entdeckt dabei seine weibliche Seele. Zusammen mit Gerda schafft er schließlich das weibliche Alter Ego Lili Elbe. Gerda lässt ihn immer öfter posieren und wird mit den Bildern von Einar alias Lili künstlerisch erfolgreich. Nachdem Einar bei einer öffentlichen Veranstaltung als Lili auftritt und völlig in der weiblichen Rolle aufgeht, führt das scheinbar harmlose Rollenspiel des Ehepaars zu einer lebensverändernden Wandlung. Einar beginnt sich immer fremder in seinem männlichen Körper zu fühlen und möchte endgültig seine weibliche Identität annehmen. Um zu einer “ganzen“ Frau zu werden, begibt sich Lili auf eine anstrengende Ärzte-Odyssee. Begleitet wird sie dabei von ihrer liebenden Frau Gerda, die ihren Mann verständnisvoll unterstützt. Zahlreiche Ärzte lehnen Lilis Wunsch nach einer Geschlechtsumwandlung ab. Nur der deutsche Arzt Dr. Warnerkos (Sebastian Koch) zeigt Verständnis und bietet seine fachmännische Hilfe an. Eine erste geschlechtsangleichende Operation birgt jedoch zahlreiche Risiken. Zu allem Überfluss trifft das Paar auf einen Kindheitsfreund Einars, den Kunsthändler Hans Axgil (Matthias Schoenaerts), der sich zu Gerda hingezogen fühlt. Eine komplizierte Dreiecks-Affäre beginnt, wobei die Ehe von Einar und Gerda auf eine harte Probe gestellt wird.
Der britische Regisseur Tom Hooper greift hier das brisante Thema auf und inszeniert es als ein packendes Liebesdrama. Die Dreharbeiten begannen im Februar 2015 in London und fanden im weiteren Verlauf in Hertfordshire , Dänemark (Kopenhagen), in Belgien (Brüssel), in Norwegen und in Berlin und Dresden statt.
Einar Wegener war einer der ersten Transsexuellen, die sich in Deutschland Anfang der 1930er Jahre einer geschlechtsangleichenden Operation unterzogen, zuerst am Institut für Sexualwissenschaft von Magnus Hirschfeld in Berlin und dann noch zweimal von Kurt Warnekros in Dresden. Der Film basiert auf Lili Elbes Lebensbericht „Fra mand til kvinde“, der 1931 erschien und später auch ins Deutsche übersetzt wurde.
Abschließend lässt sich sagen, dass es ein Film über das Erkennen seines wahren Ichs und die Akzeptanz dessen ist. Es ist ein mutiger, berührender und mitreißender Film. Man fühlt, freut und leidet mit.